Der Mensch ist seinen Eltern nicht verpflichtet
Jan 24, 2026
Der Mensch ist seinen Eltern nicht verpflichtet
Es gibt Wahrheiten, die nicht beruhigen, sondern ausrichten, Wahrheiten, die nichts erklären wollen, sondern etwas in uns geradeziehen, und genau deshalb werden sie so oft umgangen, denn sie fordern eine Bewegung, keine Zustimmung.
Eine davon ist schlicht und nicht verhandelbar:
Der Mensch ist seinen Eltern nicht verpflichtet.
Er ist dem Leben verpflichtet.
Nicht, weil Eltern unwichtig wären, sondern weil Leben nur dann lebendig bleibt, wenn es sich nicht wiederholt, sondern weitergeht, und Weitergehen bedeutet immer, den Blickwinkel der Eltern zu verlassen, innerlich wie energetisch, denn solange wir unser Leben aus der Perspektive unserer Herkunft betrachten, bleiben wir gebunden an ihre Grenzen, ihre Möglichkeiten, ihre ungelösten Geschichten.
Eltern sind ein Anfang, kein Maßstab, ein Durchgang, kein Ziel, und jede Generation ist dazu da, weiterzugehen als die vorherige, nicht aus Überheblichkeit, sondern aus natürlicher Ordnung, denn Leben erschöpft sich nicht im Bewahren, sondern erneuert sich im Überschreiten.
Doch viele Menschen halten unbewusst die Messlatte ihrer Eltern hoch, prüfen ihr eigenes Leben daran, ob es „zu viel“, „zu frei“ oder „zu glücklich“ ist, und verwechseln diese innere Rückbindung mit Liebe, obwohl sie in Wahrheit eine energetische Verstrickung ist, die das Neue verhindert.
Solange ich mein Leben aus den Augen meiner Eltern betrachte, kann nichts wirklich Eigenes entstehen, denn das Leben durch mich bleibt dann eine Variation des Alten, eine Wiederholung, eine Korrektur, aber keine Kreation.
Diese Bindung wirkt nicht moralisch, sondern energetisch: im Körper, im Nervensystem, in der inneren Spannung zwischen Vorwärtsdrang und Rückzug, in dem Gefühl, nicht ganz gehen zu dürfen, ohne jemanden zu verlieren, zu verletzen oder zu beschämen, und genau hier bleibt das Leben stecken, nicht weil es falsch wäre, sondern weil es gebremst wird.
Doch Leben braucht freie Bewegung, es braucht einen inneren Schnitt, ein Lösen aus dem Blickwinkel der Eltern, damit sich etwas Neues formen kann, denn erst wenn wir nicht mehr aus ihrer Perspektive fühlen, denken und entscheiden, entsteht Raum für das Einzigartige, das nur durch uns in die Welt kommen kann.
Der Mensch ist kein Reparaturprojekt seiner Eltern und kein Spiegel ihrer Grenzen, sondern ein einzigartiger Ausdruck des Lebens, und Leben fragt nicht nach Erlaubnis, es fragt nur, ob es durch uns weitergehen darf.
Vielleicht ist genau das Erwachsenwerden: aufzuhören, das eigene Leben an der Vergangenheit zu messen, und zu beginnen, es dem Leben selbst zu überlassen, nicht gegen die Eltern, nicht für sie, sondern für das Neue, das nur entstehen kann, wenn wir weitergehen.
Wenn du bei diesem Weg Hilfe brauchst melde dich gerne bei uns.
Love
Pratibha & Kareem